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Forschung

Die Wirksamkeit psychodynamischer Behandlungsformen (Psychoanalyse, analytische Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Fokal- und Kurzzeittherapie) ist durch zahlreiche empirische Untersuchungen belegt (Abbass et al., 2014; Lambert, 2013; Leuzinger-Bohleber et.al., 2019; 2020; Leichsenring et al., 2022; Levy et al. 2011; Krakau et al. 2024). Psychoanalytische Behandlungen werden daher in den Leitlinien für verschiedene Störungsbilder als Behandlung der Wahl empfohlen und durch die Versicherungsträger finanziert.

Mitglieder des FPIs beteiligen sich seit Jahrzehnten  an großen, empirischen Psychotherapie- Ergebnisstudien als Diagnostiker*innen, Behandler*innen und wissenschaftliche Mitarbeiter*innen. Unser Mitglied Frau Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber hat die vergleichende Psychotherapieforschung in Deutschland im Rahmen der Leitung des Sigmund-Freud-Instituts (SFI) maßgeblich mitinitiiert und vorangetrieben.

2005 begannen die Forschungsarbeiten zur Studie ‚Langzeittherapie bei chronischer Depression‘ (LAC), die im Sigmund-Freud-Institut unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber in Zusammenarbeit mit Forschungszentren in Mainz, Berlin, Hamburg und Köln durchgeführt wurden. Es handelt sich um eine Vergleichsstudie der Ergebnisse von psychoanalytischen und verhaltenstherapeutischen Langzeitbehandlungen bei chronisch depressiven Patienten. Beide Verfahren erwiesen sich als hoch wirksam, wobei nur die Psychoanalyse sogenannte strukturelle Veränderungen erzielte (vgl. Kaufhold et al. , 2019). Neueste Analysen der Daten der LAC Studie zeigen zudem, dass die Psychoanalyse bei chronisch depressiven Patienten mit einem frühen Trauma auch bezogen auf die Reduktion der depressiven Symptome der Verhaltenstherapie überlegen ist (vgl. Krakau et al., 2024)

Weiterführende Hinweise zur Forschung in der Psychoanalyse sind auf den Homepages der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPA) www.ipa.org.uk, der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) www.dpv-psa.de und des SFIs zu finden www.sigmund-freud-institut.de.

Studie zur psychodynamischen Therapie von Patienten mit Zwangssymptomen

Seit Ende 2017 wird in den Universitäten Gießen und Göttingen (Prof. Dr. Christiane Steinert, Prof. Dr. F. Leichsenring) und im Sigmund-Freud-Institut eine Studie zur Behandlung von Patienten*innen mit Zwangssymptomen durchgeführt. Die Wirksamkeit einer bis zu 24 Termine umfassenden psychoanalytischen Kurzzeittherapie soll untersucht werden, und zwar im Vergleich mit einer Gruppe von Patienten*innen, die während dieser Zeit auf der Warteliste steht. In den Leitlinien für die Behandlung von Zwangsstörungen wird nur in Ausnahmefällen psychodynamische Therapie empfohlen, sodass diese Studie auch von berufspolitischer Bedeutung ist.

Die Behandlungen im Rahmen der Studie und die katamnestischen Untersuchungen, die unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Heinz Weiß (ehem. Leiter der Ambulanz des SFIs) durchgeführt wurden, sind inzwischen abgeschlossen. Ausführende waren Mitarbeiter*innen des SFIs, Ausbildungskandidaten*innen und Mitglieder des FPIs und des Instituts für Psychoanalyse Frankfurt e.V. der DPG. Erste Ergebnisse der statistischen Auswertung liegen vor, die die positive Wirkung der Therapie nachweisen. Die Veröffentlichung erfolgt demnächst. In der vierzehntägig stattfindenden Konferenz zur Studie, donnerstags von 13.15 Uhr bis 14.30 Uhr, werden die Ergebnisse diskutiert und das Verständnis der Zwangserkrankung anhand der Literatur und aktueller Behandlungsfälle der Teilnehmenden vertieft. Kolleg*innen mit Interesse an diesem Thema sind zur Teilnahme oder auch um eigene Fälle vorzustellen in der Gruppe jederzeit nach Voranmeldung bei Frau Dr. Annabelle Starck (SFI) willkommen.

https://www.sigmund-freud-institut.de/index.php/forschung/forschungsschwerpunkte/psychodynamische-kurztherapie-fuer-zwangspatienten/

https://www.ipu-berlin.de/en/kurzzeittherapie-bei-zwangsstoerung/

MODE –Modifikation psychischer und neuronaler Strukturen in psychoanalytischen Langzeitpsychotherapien bei Depression

Die Multi-Level Outcome Study of Psychoanalyses of Chronically Depressed Patients with Early Trauma (MODE) ist eine Anschlusstudie  der LAC Studie. Sie untersucht die Auswirkungen der Anzahl wöchentlicher Therapiesitzungen auf die Ergebnisse von Psychoanalysen bei chronisch depressiven, traumatisierten Patienten mit psychologischen und neurowissenschaftlichen (MRT) Methoden (vgl. Ambresin et al, 2023). Die Studie wurde vom Board der International Psychoanalytic Association 2017 initiiert. Die beiden internationalen Projektleiter sind Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber, Mainz/Frankfurt und  Prof. Bradley Peterson, Los Angeles. Die teilnehmenden Zentren der Studie sind Frankfurt, Köln, Leipzig, Gießen, Mainz (Deutschland), Lausanne (Schweiz) und Los Angeles (USA). Die Studie wird von der IPA, ApsaA, DPV, DGPT, der Alfred-Berman-Stiftung und dem Robert S. Wallerstein Fellowship (2022-2027) unterstützt.

Im März 2025 konnte die Rekrutierung abgeschlossen werden: Es befinden sich 113 Patientinnen/Patienten in Psychoanalysen. Davon konnten 80 in die MRT-Untersuchung eingeschlossen werden. Erste Hauptergebnisse werden voraussichtlich Ende 2026 publiziert.

Seit ihrem Beginn beteiligen sich Mitglieder des FPI und der Ambulanz an der Studie. Prof. Tamara Fischmann (FPI/IPU) ist die nationale Projektleiterin der MODE Studie. Die Studie wird in Kooperation mit Prof. E. Hattingen, Cooperative Brain Imaging Center (COBIC) in Frankfurt durchgeführt.

Kontakt: mleuzing (at) uni-mainz.de , Tel. 069 76677
               tamara.fischmann (at) ipu-berlin.de, Tel  069 71033740

 

Literatur:

Abbass, A. A., Kisely, S. R., Town, J. M., Leichsenring, F., Driessen, E., De Maat, S., ... & Crowe, E. (2014). Short‐term psychodynamic psychotherapies for common mental disorders. Cochrane database of systematic reviews, (7).

Ambresin, G., Leuzinger-Bohleber, M., Fischmann, T., Axmacher, N., Hattingen, E., Bansal, R. Peterson, B.S. (2023): The multi-level outcome study of psychoanalysis for chronically depressed patients with early trauma (MODE): rationale and design of an international multicenter randomized controlled trial. BMC Psychiatry, 23, 844. https://doi.org/10.1186/s12888-023-05287-6.

Kaufhold, H., Bahrke, U., Kallenbach, L., Negele, A., Ernst, M., Keller, W., Rachel, P., Fiedler, G., Hautzinger, M., Leuzinger-Bohleber, M., Beutel, M. (2019): Wie können nachhaltige Veränderungen in Langzeittherapien untersucht werden? Symptomatische versus strukturelle Veränderungen in der LAC-Depressionsstudie. Psyche – Z Psychoanal 73, 2019, 106-133. DOI 10.21706/ps-73-3-106.

Krakau, L., Ernst, M., Hautzinger, M., Beutel, M.E., Leuzinger-Bohleber, M. (2024): Childhood trauma and differential response to long-term psychoanalytic versus cognitive-behavioural therapy for chronic depression in adults. The British Journal of Psychiatry, First View, 1-8. https://doi.org/10.1192/bjp.2024.112.

Lambert, M. J. (Hrsg). (2013). Bergin and Garfield's handbook of psychotherapy and behavior change. John Wiley & Sons.

Leichsenring, F., Steinert, C., Rabung, S., & Ioannidis, J. P. (2022). The efficacy of psychotherapies and pharmacotherapies for mental disorders in adults: an umbrella review and meta‐analytic evaluation of recent meta‐analyses. World psychiatry21(1), 133-145.

Leuzinger-Bohleber, M., Stuhr, U., Rüger, B., & Beutel, M. E. (2001). Langzeitwirkungen von Psychoanalysen und Psychotherapien: eine multiperspektivische, repräsentative Katamnesestudie. Psyche, 55(3), 193-276.

Leuzinger-Bohleber, M., Hautzinger, M., Keller, W., Fiedler, G., Bahrke, U., Kallenbach, L., ... & Beutel, M. (2019). Psychoanalytische und kognitiv-behaviorale Langzeitbehandlung chronisch depressiver Patienten bei randomisierter oder präferierter Zuweisung: Ergebnisse der LAC-Studie. Psyche, 73(2), 77-105.

Leuzinger-Bohleber, M., Solms, M., Arnold, S.E. (eds.) (2020): Outcome Research and the Future of Psychoanalysis. Clinicans and Researchers in Dialogue. London. Routledge.

Levy, R. A., Ablon, J. S., & Kächele, H. (Hrsg). (2011). Psychodynamic psychotherapy research: Evidence-based practice and practice-based evidence. Springer Science & Business Media.


Kontakt bei allgemeinen Fragen zu diesem Thema und den Projekten:
Dr. Heike Westenberger-Breuer westenberger-breuer (at) t-online.de